Hintergrund

Die EMFA/ Integrationsagentur[1] übernimmt die Initiierung und Koordinierung eines Netzwerkes „Flucht, Migration und Behinderung“ in der Region Bonn. Was ist der Anlass für die Gründung dieses Netzwerkes?

 Laut einer Studie der Organisationen Handicap International und HelpAge[2], sind mindestens 20% der Flüchtlinge aus Syrien von körperlicher, sensorischer oder geistiger Behinderung betroffen. „80 Prozent der schwer verletzten syrischen Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon werden auf Dauer behindert sein und spezielle Hilfsmaßnahmen brauchen…[3]“.  Auch in Bonn und in der Region Rhein-Sieg wächst die Zahl der geflüchteten Menschen mit einer Behinderung deutlich. Daher wird der Handlungsbedarf für die gesundheitliche und psychiatrische Versorgung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Allgemeinen und von Flüchtlingen im Besonderen in Zukunft deutlich zunehmen. Einen besonders hohen und spezifischen Bedarf an Unterstützung und Hilfe haben zahlreiche Kinder mit vielschichtigen Behinderungen und ihre Familien, ältere Geflüchtete mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil chronischer Krankheiten, Behinderungen und Verletzungen und Geflüchtete mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Es mangelt an zielgruppenorientierten und bedarfsgerechten ambulanten Beratungs- und Angebotsstrukturen, sowie bei den materiellen, personellen und institutionellen Ressourcen für eine angemessene gesundheitliche Versorgung von besonders schutzbedürftigen geflüchteten Menschen. Mit den bisherigen Strukturen und Mitteln alleine werden wir  die neuen Anforderungen an kommunale Gesundheitsnetzwerke nicht bewältigen. Um die Versorgung, Unterstützung und Beratung der Geflüchteten mit einer körperlichen und/oder psychischen Einschränkung und ihrer Angehörigen zu verbessern, ist es wichtig, dass die Anbieter von Unterstützungsangeboten ihre Zusammenarbeit intensivieren. Wir brauchen eine übergreifende Zusammenarbeit; dies wird helfen Ressourcen optimal zu nutzen. Ein Netzwerk „Flucht, und Behinderung und Krankheit“ in der Bonner Region ist dringend notwendig!

 

[1] Die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn / Integrationsagentur

[2] Im April 2014 haben die Internationalen zivilgesellschaftlichen Organisationen Handicap International und HelpAge gemeinsam eine Studie zur Situation syrischer Flüchtlinge mit Behinderungen, chronischen Krankheiten und Verletzungen ver­öffentlicht („Hidden Victims“). Die Pilotstudie basiert auf rund 3200 Interviews mit Flücht­lingen in Libanon und Jordanien.

[3] de Leeuw, Lydia: Übersehendes Leid, E+Z, Service für Entwicklungsarbeit, Bonn, Nr. 8/9, 2015 Seite 332