Für den Zugang zu Gesundheit-, Pflege und Teilhabeleistungen

Erklärung des „Bonner Netzwerkes Flucht, Migration und Behinderung“ zum Weltflüchtlingstag 2021

Der Weltflüchtlingstag findet 2021 wie jedes Jahr am 20. Juni statt. In den letzten Jahren hat die Zahl geflüchteter Menschen traurige Höchststände erreicht, Millionen von Menschen waren und sind gezwungen, vor Gewalt und Verfolgung ihre Heimat zu verlassen.

Der Weltflüchtlingstag ist für uns, das „Bonner Netzwerk Flucht, Migration und Behinderung“, Anlass, auf notwendige Änderungsbedarfe an der Schnittstelle Flucht, Migration und Behinderung hinzuweisen.

In Bonn lebt eine wachsende Zahl von Geflüchteten / Zuwanderinnen und Zuwanderern mit Beeinträchtigungen / Behinderung(en) und gesundheitlichen Einschränkungen. Asylsuchende und geduldete Menschen mit Behinderung sind mit vielen Teilhabebarrieren konfrontiert. So ist ihr Zugang zu Teilhabe- und Rehabilitationsleistungen durch das Asylbewerberleistungsrecht in der Praxis eingeschränkt. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, die gesellschaftliche und politische Teilhabe Zugewanderter und Geflüchteter mit Behinderung zu verbessern, ihnen mehr Teilhabe an Gesundheit, Prävention, Pflege zu ermöglichen. Inklusion, Teilhabe und Barrierefreiheit darf keine Frage des Aufenthaltstitels sein.

Wir sehen aktuell insbesondere folgende Handlungsbedarfe:

- Sprachförderangebote für zugewanderte Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung

Hinreichende Sprachkenntnisse sind die notwendige Grundlage für gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Teilhabe. Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung und kognitiver Beeinträchtigung benötigen für erfolgreichen Spracherwerb besondere Rahmenbedingungen, die im aktuellen Integrationskursangebot des Bundes nicht abgebildet werden. Durch das Fehlen solcher Angebote wird eine gelungene Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und an der Arbeitswelt verhindert. Es besteht also Handlungsbedarf in der Entwicklung bedarfsgerechter Sprachförderangebote für zugewanderte Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung.

- Identifizierung behinderungsspezifischer Schutzbedarfe geflüchteter Menschen

Die 16. Integrationsministerkonferenz (IntMK) am 29. April 2021 betonte, dass geflüchtete Menschen mit Behinderung einer besonderen Schutzbedürftigkeit unterliegen und einen entsprechenden Anspruch auf Versorgung im Rahmen der Erstaufnahmestrukturen haben. „Eine wesentliche Voraussetzung, um ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit gerecht zu werden, ist die systematische Identifizierung entsprechender Schutzbedarfe innerhalb der Erstaufnahmestrukturen.“, so die Konferenz. Aktuell findet diese Identifizierung behinderungsspezifischer Schutzbedarfe im Rahmen des Asylaufnahmeverfahrens, entgegen Deutschlands unionsrechtlicher Verpflichtung (EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU, Art. 22), nicht systematisch statt. Bleiben Schutz- und Unterstützungsbedarfe jedoch unsichtbar, hat das massive Folgen und Auswirkungen auf diverse Ebenen, sei es Unterbringung, Infektionsschutz, Beschulung, Zugang zu notwendig medizinischen und Leistungen der Rehabilitation und Teilhabe u.a.

Wir befürworten daher die Empfehlung der IntMK an den Bund ein einheitliches Verfahren zur Identifizierung behinderungsspezifischer Schutz- und Unterstützungsbedarfe zu ermöglichen. Die notwendige Identifizierung besonderer Schutz- und Unterstützungsbedarfe geflüchteter Menschen mit Behinderung darf nicht dem Zufall überlassen werden.

Haben Sie Fragen zum Netzwerk und/oder möchten Sie mitmachen, nehmen Sie gerne Kontakt auf!
Kontakt zum Netzwerk: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Mit freundliche Grüßen
i. A. des Netzwerkes
J. Michael Fischell (Dipl.Soz.Wiss.) /Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur

Erklärung_16_06_2021


 

Schutz gegen sexualisierte Gewalt

Durch das Kirchengesetz der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zum Schutz vor sexualisierter Gewalt vom 15. Januar 2020 ist die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit (EMFA) / Integrationsagentur Bonn zum Schutz vor sexualisierter Gewalt verpflichtet. Dieses Anliegen, das uns immer schon wichtig war, verlangt Präventions-, Interventions-, individuelle Unterstützungsmaßnahmen und institutionelle Aufarbeitungsprozesse. Ein entsprechendes, an die Arbeit der EMFA angepasstes Schutzkonzept, wird zurzeit durch eine Arbeitsgruppe erstellt und soll Ende 2021 veröffentlicht werden.

Ansprechpartner*innen der EMFA / Integrationsagentur, die jede und jeder vertraulich kontaktieren kann, sind:

Carina Pfeil: 0174 1658544, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Dirk Voos: 01520 63127 40, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Auch für den Evangelischen Kirchenkreis Bonn stehen zwei Ansprechpartner*innen bereit:

Thomas Dobbek und Maria Heisig

von der Evangelischen Beratungsstelle, Tel.: 0228 6880 150.

Mit freundlichen Grüßen

Hidir Celik
(Leiter der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur)

Carina Pfeil
(Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit und Ehrenamt)

Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur
Brüdergasse 16-18 - 53111 Bonn

Tel.: 0228 697491
Mobil: 0174 1658544

Infobrief_Schutzkonzept_gegen_sexualisierte_Gewalt_EMFA_Juni_2021


 

Wiederaufnahme der Sozialberatung ab 08.06.2021

Wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass wir unsere Flüchtlings- und Sozialberatung vor Ort wieder aufnehmen können!

Ab dem 08.06.2021 wird es wieder Termine in unserem Haus geben, welche Sie über Carina Pfeil
(E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Mobil: 0174 -1658544) vereinbaren können.

Zu beachten ist, dass alle Klient*innen einen Negativ-Test vorweisen müssen, sobald sie das Haus MIGRApolis betreten.

Sie können beraten werden:
Dienstags: 10.00 - 12.00 Uhr
Donnerstags: 15.00 - 17.00 Uhr

Für schnelle Fragen oder das Einreichen von Unterlagen wird unsere Fensterberatung weiterhin für Sie geöffnet sein (kein Corona-Test nötig).

Adresse: Brüdergasse 16-18, 53111 Bonn

Carina Pfeil
Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit und Ehrenamt
Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur
Brüdergasse 16-18 - 53111 Bonn

Tel.: 0228 - 697491
Mobil: 0174 - 1658544


 

 

Inklusion - eine Frage des Aufenthaltstitels?

Einladung zur fachpolitischen Veranstaltung am 09.06.2021

Am Mittwoch, dem 09.06.2021, findet unsere fachpolitische Online-Tagung „Inklusion - eine Frage des Aufenthaltstitels? Geflüchtete Menschen mit Behinderung zwischen Asyl- und Teilhaberecht“ statt.

Programm der Veranstaltung

Wir freuen uns sehr über die zahlreichen (aktuell 350 !!!) Anmeldungen. Diese bestätigen das breite Interesse an der Schnittstelle Flucht und Behinderung sowie die Relevanz des Themas. Um Sprachbarrieren zu überwinden, ist unser Programm nun auch auf Englisch, auf Arabisch und bald auf Farsi abrufbar. Hier geht es zur Anmeldung . 

Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung,

Mit vielen Grüßen,

Karsten Dietze

Handicap International e.V.

Projekt Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung

Tel.: +030 28043926 Mob.: +49 176 17610112


 

Neue Rechner bieten eine Perspektive auch in Zeiten der Pandemie

Der digitale Wandel ist – gerade in Corona-Zeiten – in Deutschland in aller Munde. Damit auch zugewanderte Menschen profitieren, hat die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) nun der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) Bonn-Bad Godesberg drei PC und fünf Laptops spendiert.

"Wir können diese Rechner so gut gebrauchen", freut sich Sozialraummanager Veli Stollaj von der DRK-Betreuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH, "wir haben sie schon im Einsatz." Zum Beispiel für die alternativen Qualifizierungsmaßnahmen. "Wir nutzen die PC und Laptops direkt für unser Qualifizierungsangebot `Grundfertigkeiten für Gemeinschaftsunterkünfte – Küche´", freut sich der zuständige Kursleiter Abdallah Mohamed (Hier finden Sie dazu Infos zum Nachlesen). "Jeder Rechner hat Windows 10 installiert", ist auch Veli Stollaj begeistert, "wir konnten sofort loslegen." Auch die "Schulnahen Bildungsangebote" (zum Nachlesen) profitieren, ebenso die zugewanderten Familien in der ZUE Bonn, die sich bei Bedarf einen Laptop ausleihen dürfen.

Großer Dank an alle Spenderinnen und Spender
"Es ist uns wichtig, den Geflüchteten auch in der Pandemie eine Perspektive zu ermöglichen", erklärt Stollaj. Ein Ziel, das auch die EMFA unterstützt. Sie bitten nicht nur für Flüchtlingseinrichtungen um Spenden, sondern auch für Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen (deutschen) Haushalten. Daher gilt der Dank des DRK-Sozialdienstes nicht nur der EMFA, sondern auch allen Spenderinnen und Spendern, die ihre voll funktionstüchtigen Laptops und PC gespendet haben.

 Bonn Spenden Laptops2 Foto Nazmi Rrahmani 660x440

 

Bonn Spenden Laptops1 Foto Nazmi Rrahmani 660x440

 Quelle: Meldung - DRK-Betreuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH (drk-betreuungsdienste-westfalen.de)


 

Aufruf #FamilienGehörenZusammen

Liebe Engagierte in der Flüchtlingsarbeit,

zum Tag der Familie am 15. Mai 2021 hat ProAsyl diesen Aufruf #FamilienGehörenZusammen veröffentlicht.

Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) unterstützt ihn und hat den Aufruf mit vielen anderen Organsisationen der Zivilgesellschaft erstunterzeichnet!

Aufruf #FamilienGehörenZusammen

Krieg und schwere Menschenrechtsverletzungen zwingen Tausende Menschen zur Flucht. 

Diese ist nicht nur gefährlich und voll Unwägbarkeiten, oft werden auf der Flucht auch Familien auseinandergerissen. In der Folge ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Teil der Familie sich zum
Beispiel bereits in Deutschland befindet, während Angehörige noch in unmittelbarer Nähe zum Konflikt oder in einem der griechischen Flüchtlingslager festsitzen.

Ein Weg zurück in die Herkunftsländer wie Syrien oder Eritrea, wo Bürgerkrieg oder Diktatoren herrschen, ist den Geflüchteten aufgrund der dortigen politischen Verhältnisse meist versperrt.
Um wieder gemeinsam als Familie in Sicherheit zusammen zu leben, bleibt nur der Familiennachzug nach Deutschland. Jedoch stehen die Betroffenen vor gravierenden Problemen: Visumsverfahren ziehen sich oft jahrelang hin – oder der Familiennachzug wird sogar komplett verhindert.

Seit 2018 wurde ein monatliches Kontingent definiert: Maximal 1000 Menschen pro Monat dürfen im Rahmen des Familiennachzugs zu ihrer Kernfamilie mit subsidiärem Schutz nach Deutschland kommen.

Wir fordern den Bundestag und die Bundesregierung auf:

Stellen Sie sicher, dass Geflüchtete als Familie zusammenleben können!

Setzen Sie sich ein:
 Für eine rechtliche Gleichstellung von subsidiär Geschützten und Flüchtlingen
 Für eine digitale Beantragung von Visaanträgen und die Bearbeitung innerhalb von wenigen Wochen
 Auch minderjährige Geschwisterkinder dürfen nicht vom Familiennachzug ausgeschlossen werden

Wir rufen den Bundestag und die Bundesregierung zum Handeln auf!

Aufruf-FamilienGehoerenZusammen


 

Wir miteinander gegen Hass und Antisemitismus in Bonn

Die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur stellt im Rahmen des Antisemitismusprojekts „Wir miteinander gegen Hass und Antisemitismus“ Porträts und Texte zu Antisemitismus in Bonn aus.

Antisemitismus in Deutschland nimmt wieder zu. Juden in Deutschland haben Angst, ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu zeigen, jüdische Personen und Institutionen werden Opfer von Angriffen. „Der Einsatz gegen Antisemitismus ist Verpflichtung aller in Deutschland lebenden Menschen“, äußert sich Coletta Manemann, Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn.

In der Ausstellung „Gemeinsam gegen Hass und Antisemitismus“ beziehen Bonner Persönlichkeiten aus Kirche, Gesellschaft und Politik Stellung zu Antisemitismus in Bonn und Deutschland. Ihre einzigartigen Perspektiven rufen nicht nur zum Nachdenken, sondern direkt zum Handeln auf. Ob in Glaubensgemeinschaften, Schulen, Gedenkstädten oder der Politik: Antisemitismus darf in Bonn keinen Platz haben. „Wir müssen aufstehen gegen Rassismus und Antisemitismus“, fordert Dietmar Pistorius, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn. „Für vernünftige Menschen – egal welchen Glaubens oder welcher Herkunft – kann es nur eine Reaktion gegen Antisemitismus und radikales Gedankengut geben: Gemeinsamer Widerstand! Dazu verpflichtet uns nicht zuletzt das Erbe unserer Stadt Bonn als Entstehungsort des Grundgesetzes“, ergänzt Dr. Wolfgang Picken, Stadtdechant Bonn.

Die von der Stabsstelle Integration der Stadt Bonn geförderte und in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Bonn kuratierte Ausstellung wird über den Sommer in den Stadtteilen Bonns auf öffentlichen Plätzen ausgestellt werden.

17. Juni: Tannenbusch auf dem Vorplatz des Tannenbusch-Center: 15-18 Uhr

08. Juli: Münsterplatz in der Bonner Innenstadt: 15-18 Uhr

11. August: Theaterplatz in der Fußgängerzone Bad Godesberg: 15-18 Uhr

19. September: Abschlussveranstaltung im Rahmen der Interkulturellen Woche im Haus Migrapolis, Brüdergasse 16-18: 12-14 Uhr

Bitte beachten Sie den Mindestabstand und tragen Sie eine medizinische Maske.

Ansprechpartner:

Dr. Hidir Celik
(Leiter Ev. Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur), 
Brüdergasse 16-18, 53111 Bonn
Tel.: 0228-697491
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pressemitteilung_Antisemitismus

Aus aktuellem Anlass:

Wir verurteilen die Anschläge auf Synagogen in mehreren deutschen Städten, unter anderem an unserem Standort Bonn, aufs Schärfste, und wir solidarisieren uns mit den Jüdischen Gemeinden. Weiterhin setzen wir uns für Toleranz und Vielfalt sowie gegen religiös und politisch motivierte Gewalt und Hass ein! 

EMFA / Integrationsagentur

Mahnwache Synagoge   Mahnwache Synagoge 2

Mahnwache vor der Bonner Synagoge am 12. Mai 2021, Fotos: Çelik


 

„… weil auch Du ein Fremdling warst“

An alle, die Angst vor „Flüchtlingen“ haben

Theologischer Impuls von Thorsten Latzel
(neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR))

Gleich am ersten Tag, nachdem ich zum Präses gewählt worden bin, erreichte mich eine Mail zum Thema „Flüchtlinge“. Eine ältere Frau teilte mir darin ihr tiefes Unverständnis mit, wie die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland sich dafür einsetzen könne, weitere Flüchtlinge aus den Lagern in Bosnien-Herzegowina und von Lesbos aufzunehmen.

„Seit ich denken kann, nimmt Deutschland Flüchtlinge auf – als ich Kind war, musste in der Familienwohnung ein Zimmer geräumt werden, für Flüchtlinge – so hat es sich über 70 Jahre fortgesetzt -… es reicht! Meine Sorge gilt meinen Kindern und Enkelkindern, die all das bitterst aushalten und auch noch bezahlen müssen – und dann irgendwann nicht mehr dazugehören und in der Minderzahl sind.“

So wie dieser besorgten Frau möchte ich gerne allen antworten, die sich vor Fremden und „Flüchtlingen“ fürchten.

Sehen Sie, ich bin ein Kind von Eltern, die beide vertrieben wurden, fliehen mussten. Meine Mutter als siebenjähriges Mädchen aus Danzig, mein Vater als Säugling auf dem Arm meiner Großmutter aus Schlesien. Ich bin sehr froh darüber, dass Menschen damals meine Mutter und meinen Vater als kleine Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg bei sich aufgenommen haben. Sonst gäbe es mich heute nicht. Es war eine Zeit, in der es viel weniger gab als heute. Die große Sorge damals, dass Katholiken und Protestanten nicht miteinander leben könnten (es gab getrennte Schulhöfe), hat sich als unbegründet erwiesen. Ich bin ein Kind aus solch einer konfessionsverschiedenen Ehe.

Auch die „Überfremdung“ Deutschlands durch die sogenannten „Gastarbeiter“ in den Jahren danach hat sich nicht eingestellt. Im Gegenteil: Ohne die starke Einwanderung, die damals niemand so nannte, hätte es nie ein solches Wirtschaftswachstum in Deutschland gegeben. Deutschland wäre nicht Deutschland ohne die Menschen aus Italien, Spanien, Griechenland, Polen, der Türkei, dem früheren Jugoslawien. Nicht ohne ihre Arbeit, nicht ohne ihre Kultur, nicht ohne ihre Religion. „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.“ (Max Frisch) Mit Yusuf habe ich in der Grundschule von Bad Laasphe Fußball gespielt, mit Kadir unsere gleichaltrigen Töchter auf dem Spielplatz in Hannover geschaukelt. „Überfremdet“ habe ich mich nie gefühlt.

Flucht und Fremdheit sind für mich sehr persönliche Themen. Ohne sie könnte ich die Geschichte meiner Familie, mich selbst nicht verstehen. Die Epigenetik erforscht, wie solche Erfahrungen an die nächsten Generationen vererbt werden. Sprichwörtlich in den Knochen stecken. Fragen Sie einmal meine Frau, wie es ist, wenn wir gemeinsam wandern.

Und der Schutz von „Flüchtlingen“ und Fremden gehört für mich fundamental zum christlichen Glauben. Er durchzieht die ganze Bibel: vom Auszug der unterdrückten Israeliten aus Ägypten über die 10 Gebote („Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst“, 5. Mose 5,15) bis zu Jesus, dessen Eltern nach seiner Geburt mit ihm vor Herodes außer Landes fliehen (Mt 2,13ff.). Und der später den Umgang mit Fremden zu einem Maßstab des Weltgerichts gemacht hat: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. […] Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,35.40)

Wenn Leute versuchen, das, was sie für das „christliche Abendland“ halten, vor Fremden zu retten, scheinen sie hier irgendwas nicht verstanden zu haben.

Das heißt nicht, dass Deutschland nun „alle aufnimmt“. Schon deshalb nicht, weil die meisten Menschen überhaupt nicht aus ihrer Heimat wegwollen, wenn sie nicht müssen. Und selbst wenn Menschen fliehen müssen, bleiben die allermeisten in Nachbarländern.

Das hat auch nichts mit „Gutmenschentum“ zu tun. Nein, „Flüchtlinge“ sind weder bessere noch schlechtere Menschen als Sie und ich. Es sind einfach Menschen auf der Flucht. Oft Familien mit Kindern. Oft junge Männer, weil sie am ehesten eine Chance haben, für die anderen „durchzukommen“. Menschen zum Teil mit tief traumatischen Erfahrungen. Viele mit großer Energie, Hoffnung, Tatkraft.

Es hilft sehr, wenn wir mit dem abstrakten, sorgenvollen Reden über „die Flüchtlinge“ aufhören – und stattdessen mit den konkreten Menschen reden, die es auf ihrer Flucht zu uns geführt hat. Mit Menschen wie Ahmad Dakhnous, den ich letztes Jahr kennenlernen durfte. Ahmad ist als Palästinenser aus Damaskus nach Deutschland geflohen und studiert hier Politik. Es gibt wenige Menschen, die ich jemals so von Demokratie habe schwärmen hören wie ihn. Gemeinsam mit Mitstudent/innen hat Ahmad ein Projekt gestartet, um Integrationskurse weiterzuentwickeln. Weg von Multiple-choice-Fragen hin zur Begegnung mit „Menschen von hier“ – gleich welcher Kultur, Religion oder sexuellen Orientierung. Manchmal verstehen „Fremde“ besser, was unser Land wirklich auszeichnet:

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. […] Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art. 3 GG)

Ich nehme das Thema „Flüchtlinge“ auch deshalb persönlich, weil ich nicht möchte, dass meine Kinder und Enkel einmal in einer lieblosen Gesellschaft leben müssen, wo christliche Werte wie Nächstenliebe oder Barmherzigkeit nichts mehr gelten. In einem Land, in dem man es hinnimmt, dass Menschen ertrinken, nur, weil sie nicht „von hier“ sind. In einem Europa, in dem zu uns Geflüchtete unter menschenunwürdigen Umständen leben – wie etwa in den Lagern in Bosnien oder auf den griechischen Inseln. Auch meine Kinder wollen das nicht und sehen sich überhaupt nicht gefährdet. Im Gegenteil: Sie und ich haben an verschiedenen Orten erlebt, wie gerade Menschen mit Fluchterfahrungen sich einbringen und mitarbeiten, um ihre neue Heimat zu schützen, die sie schützt.

Insofern bin ich überzeugt, dass Sie keine Sorge um Ihre Kinder oder Enkel haben müssen. Allenfalls davor, wenn man einen Keil in unsere Gesellschaft treibt, wenn man Menschen nach ihrer Abstammung anstatt nach ihrer Person beurteilt und so unsere offene, demokratische Gesellschaft gefährdet. Davor behüte uns Gott!

„Fremde“ und „Heimat“

„Fremde“ ist der Ort,
an dem man angewiesen ist
auf die Hilfe, Zuwendung, Barmherzigkeit
von Menschen, die man nicht kennt.
„Heimat“ ist der Ort,
an dem man sie erfährt. (TL)

Ursprünglich erschienen unter: „… weil auch Du ein Fremdling warst.“ An alle, die Angst vor „Flüchtlingen“ haben - EKiR - Präsesblog


 

Ausschreibung für Marie-Kahle-Preis läuft

Anerkennung für ehrenamtliche Arbeit mit Geflüchteten

Pressemitteilung des Diakonischen Werkes Bonn und Region

Zum zweiten Mal verleihen die beiden evangelischen Kirchenkreise der Region den Marie-Kahle-Preis für Projekte in der Flüchtlingsarbeit, die von ehrenamtlichem Engagement getragen werden.

Im Anschluss an den Abschlussgottesdienst der Interkulturellen Woche werden im Rahmen einer Preisverleihung am 26. September Projekte und Initiativen ins Rampenlicht gerückt, die sich mit ihrer Arbeit für die Integration von Geflüchteten einsetzen. Sie leisten damit aktiv einen Beitrag zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und sollen dafür gewürdigt werden.

Die diesjährigen Preisträger:innen werden in drei Kategorien geehrt:
Kinder, Frauen und Flucht
Durchhalten! Flüchtlingshilfe in Zeiten von Corona
Es gibt ein Leben nach Corona – neue Ideen für die Zukunft

Sollte eine Präsenzveranstaltung nicht umsetzbar sein, planen die Veranstalter eine digitale Variante der Preisverleihung. Die Ausschreibungsphase hat begonnen. Ehrenamtliche Initiativen haben bis zum 30. Juni 2021 die Chance, ihr aktuelles Projekt oder auch ihr geplantes Projekt einzureichen.

Veranstalter des Marie-Kahle-Preises sind das Diakonische Werk Bonn und Region, die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn sowie das Diakonische Werk Euskirchen. Pro Kategorie werden 700 Euro als Preisgeld ausgelobt, die die beiden evangelischen Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel zur Verfügung stellen. Die Entscheidung, welche Projekte in der jeweiligen Kategorie gewinnen, trifft eine Jury, der unter anderem die Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn, Coletta Manemann, Kaveh Javadi, selbst geflüchteter Aktiver aus der Flüchtlingshilfe, Bernhard von Grünberg für den UNHCR und Kirchenrat Rafael Nikodemus, Migrationsexperte der evangelischen Landeskirche, angehören.

Der Preis ist benannt nach Marie Kahle. Die Bonnerin hat nach der Reichspogromnacht am 10. November 1938 jüdischen Ladenbesitzern geholfen, den Schaden, den Nationalsozialisten verursacht hatten, zu beheben und aufzuräumen. Allein wegen ihrer Solidarität machte sie das NS-Regime zur Zielscheibe und sie musste mit ihrer Familie aus Deutschland fliehen.

Pressemitteilung als pdf

Ausschreibung_für_den_Marie-Kahle_Preis_2021.pdf

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Marie-Kahle-Preis: Anerkennung und Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe

Bewerbung bis 30. Juni 2021

Bereits zum zweiten Mal können sich in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit Engagierte für den Marie-Kahle-Preis bewerben, den die Evangelischen Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel ausschreiben. Bewerbungen sind bis Ende Juni 2021 möglich.

Die feierliche Preisverleihung findet am 26. September 2021 in der Bonner Kreuzkirche am Kaiserplatz statt.

Im Rahmen der Interkulturellen Woche verleihen die drei Bonner Kirchenkreise den Marie-Kahle-Preis bei einer Festveranstaltung.

Bis zum 30. Juni 2021 können sich Ehrenamtliche und Initiativen aus der Flüchtlings- und Integrationsarbeit in drei Kategorien bewerben:

Schutz und Integration von Kindern und Frauen
Durchhalten! Flüchtlingshilfe in Zeiten von Corona
Raus aus der Corona-Warteschleife – Perspektiven für die Zukunft

Die Ehrenamtskoordinatorinnen von Diakonie und EMFA unterstützen gerne bei den Bewerbungen!

Mehr zur Verleihung des Marie-Kahle-Preises finden Sie auf der Facebookpräsenz unserer Gruppe
"TeamGeist - Miteinander Leben in Bonn"

sowie auf der Seite des Evangelischen Kirchenkreises Bonn .